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Interne soziale Netzwerke sollen kollektives Wissen anzapfen

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Wissen ist ein Rohstoff, der sich vermehrt, wenn man ihn teilt«, leitete der FAZ-Journalist Johannes Ritter jüngst einen Artikel ein, in dem er einen Blick auf neue Kommunikationsformen in deutschen Großunternehmen wirft – beispielsweise auf die Continental AG. Dort will Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender des Autozulieferers aus Hannover, die kollektive Intelligenz seiner Mitarbeiter stärker nutzen.
Im Wissen der Beschäftigten schlummert nach seiner Einschätzung ein gewaltiges Potenzial: »Die Mitarbeiter sehen, wo es klemmt«, erläuterte Degenhart im Interview. Das rund um den Globus vorhandene Fachwissen in den Köpfen der Ingenieure, Entwickler und Finanzleute soll deshalb Hierarchie- und länderübergreifend vernetzt und angezapft werden. Nach dem Prinzip von Facebook hat Continental dafür Anfang März ein internes soziales Netzwerk namens »Connext« eröffnet. In dieser konzerneigenen Intranet-Kontaktbörse sollen sich die Mitarbeiter Präsentationen hochladen, Diskussionsrunden zu Fachthemen bilden und Netzwerke schaffen. Die Mitarbeiter zeigen dort in ihren Profilen, was sie können, tauschen sich gezielter aus und gehen Ideen und Halbwahrheiten schneller auf den Grund, erklärte Degenhart. Continental hat sich überaus ehrgeizige Ziele gesetzt. »Bis Ende des Jahres wollen wir die Mehrheit unserer Mitarbeiter vernetzt haben«, sagt Degenhart. Das wären mehr als 80.000 Personen. Er weiß, dass dies nur gelingt, wenn auch die Führungskräfte mitziehen. Dabei müssen sie umdenken und sich von altbekannten Mustern verabschieden. Hierarchische Verhaltensweisen wirken hier kontraproduktiv. Dies gelte insbesondere für die Erfindungsphase, also die Stufe der Wertschöpfungskette, in der Kreativität gefragt ist. Degenhart plant damit eine Art interner Kulturrevolution – und muss eine Balance zwischen Hierarchie- und Netzwerkverhalten finden. Das ist kein leichtes Unterfangen, zumal eine Führungskraft, die eine hohe technische Fachkompetenz hat, nicht automatisch auch ein gutes Führungsverhalten
an den Tag legt. Mit dem Vorstoß ist Continental nicht allein Von Allianz, Bayer und Deutscher Telekom über Lufthansa und Adidas bis zur Deutschen Post bauen immer mehr Unternehmen auf interne Online- Netzwerke. Zu den Vorreitern bei der Nutzung neuer Kommunikationstechnologien zählt auch die BASF. Der Ludwigshafener
Chemiekonzern hat schon im Mai 2010 ein Business-Netzwerk namens »Connect.BASF« freigeschaltet. In solch einem virtuellen Arbeitsraum arbeiten Fachleute an Projekten zusammen. Dank des offenen Austauschs können Projektzeiten bis zu einem Viertel gekürzt werden, sagt eine Unternehmenssprecherin. Nach ihren Angaben wird die unternehmensinterne Community besonders intensiv genutzt. »Damit trägt die Plattform«, nach Angaben der BASF, »zur Innovationsstärke und zur Wettbewerbsfähigkeit der BASF bei«. Derzeit nutzen rund 30.000 Mitarbeiter dieses Netzwerk – das ist ein Drittel derer, die dazu Zugang haben könnten.
 
Der Artikel von Johannes Ritter ist unter dem Titel »Facebook statt Feuerwehr« am 22.03.2012 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.